15.05.2018

Glyphosatverzicht auf städtischen Flächen

In der Gemeinderatssitzung am 15.05.2018 kam es zu einer lebhaften Diskussion über einen Antrag der Grünen, auf Glyphosat bei kommunalen Flächen zu verzichten.

Der Beschlussvorschlag:

1. Die Stadt Weil der Stadt verzichtet bei allen Flächen unter ihrer Bewirtschaftung auf den Einsatz von Herbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat. Ausnahmegenehmigungen für die Anwendung solcher Mittel auf Nichtkulturflächen werden ab sofort nicht mehr bei den Landesbehörden beantragt.

2. Private Unternehmen, die Aufträge von der Stadt Weil der Stadt zur Pflege von Grün-, Sport- und Verkehrsflächen erhalten, werden entsprechend auf einen Glyphosatverzicht vertraglich verpflichtet. Bei laufenden Verträgen wird auf eine freiwillige Einigung hingewirkt.

3. Beim Abschluss neuer Pachtverträge für städtische landwirtschaftliche Flächen und bei der Verlängerung von Pachtverträgen wird eine Klausel eingefügt, mit der sich der Pächter zum vollständigen Verzicht auf den Einsatz von glyphosathaltigen Mitteln auf diesen Flächen verpflichtet.

Die Krebsforschungsagentur der WHO stuft Glyphosat in die zweithöchste Risikogruppe für Krebserkrankungen ein. Es gibt Organisationen, die Glyphosat für „ wahrscheinlich nicht krebserregend“ halten. Hier ist der Verdacht nicht auszuräumen, dass Monsanto über Lobbyismus seinen Einfluss geltend gemacht hat. Allein aus vorsorgendem Gesundheitsschutz sollte eine Substanz, über sich die Wissenschaft bezüglich der Gefährlichkeit nicht einig ist, nicht zugelassen bleiben.

Unstrittig bleibt jedoch die Auswirkung von Glyphosat auf die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren. Es ist nachgewiesen, dass u.a. 75 % der Insekten verschwunden sind. Das wirkt sich sehr negativ auf unser Ökosystem aus. Was mit den Kleinlebewesen (wie Regenwürmern), Pilzen und Bakterien unter Glyphosat geschieht, ist noch nicht ausreichend untersucht. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass diese für die Güte eines Bodens wichtigen Organismen ebenfalls zum Negativen verändert werden.

Die Politik hat uns hier im Stich gelassen. So ist es an uns – Erzeuger und Verbraucher- zu handeln. Über 200 Kommunen in Deutschland haben bereits beschlossen, auf Glyphosat auf ihren Flächen ganz zu verzichten.

Glyphosat ist nicht alternativlos. Es muss nicht durch ein anders Pestizid ersetzt werden. Die Alternative zeigen uns die Biobauern.

Während Teil 1 und 2 des Beschlussvorschlags mehrheitlich angenommen wurden, stimmten für Teil 3 nur der Bürgermeister und die Fraktion der Grünen.

Dr. Rosemarie Sticker

Sitzungsunterlagen hierzu

zurück

URL:https://www.wds-gruene.de/aktuelles/archiv/expand/787347/nc/1/dn/1/