08.07.2010

Informationen Altlasten Tälesbach

Im Bereich der Fuchsklinge (Calw) wurde die jetzige Altlast Tälesbach Süd ehemals als Mülldeponie für den Hausmüll aus Calw genutzt. Diese wurde dann nach Ihrer Schließung mit Erdaushub überdeckt.

Gegenüberliegend nutzte die Deutsche Reichsbahn (später die DB) das Gelände als Deponie ebenfalls für Hausmüll (Tälesbach Nord). Auch diese Deponie wurde in den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts geschlossen.

Diese beiden entstandenen Altlasten wurden in der Vergangenheit regelmäßig auf Gewässerverunreinigung und dgl. überprüft (so genanntes Altlastenmonitoring). Hierbei wurde festgestellt, dass es keine Beeinträchtigung des Grundwassers durch die Altlasten gibt.

Die Gefahr die nunmehr aus den beiden Altlasten hervorgeht ist, dass beide nicht über die notwendige Standsicherheit verfügen. Somit könnte es passieren, dass es zu einem Rutschen der Altlasten kommt und dadurch die ehemaligen Deponien eröffnet werden, was zu einer Gefährdung des Tälesbach, der Nagold und des Ortsteiles Hirsau führen würde.

Deshalb müssen die Eigentümer der Altlasten (Stadt Calw und DB bzw. deren Tochtergesellschaft DB AG Sanierungsmanagement) aus Gründen der öffentlichen Sicherheit dafür sorgen, dass Sicherungsmaßnahmen getroffen werden. Diese Sicherung soll dadurch erreicht werden, dass man zwischen den Altlasten einen Erdkeil einbringt (also nicht "aufschüttet"). Die voraussichtliche Menge an Material beträgt allein nur für die Herstellung der Standsicherheit ca. 500.000 m3. Darin nicht eingeschlossen sind etwaige Renaturierungsmaßnahmen und dgl.. Sicherlich ist es so, dass sich im Bereich der Altlasten in den letzten Jahrzehnten ein "unberührter Lebensraum" entwickelt hat. Dieser ist jedoch schon allein deshalb gefährdet, da er abzustürzen droht und dadurch auch unwiderruflich zerstört werden würde. Die Sanierungspflichtigen haben deshalb angedacht, den durch Betonkanalisation zerstörten und biologisch toten Tälesbach im Rahmen der Maßnahme zu rekultivieren. Sprich, nach der Standsicherungsmaßnahme soll Material aufgeschüttet und das Gebiet ökologisch sinnvoll renaturiert werden. Hierzu werden ca. 700 000 m3 Material benötigt.

Die Sanierungspflichtigen gehen somit von einer Gesamtmenge von ca. 1,2 Mio. m3 Material aus. Ob die Sanierung wie angedacht erfolgen kann, steht noch nicht fest. Hierüber entscheidet die zuständige Sanierungsbehörde voraussichtlich in einigen Wochen, wenn alle erforderlichen Gutachten vorliegen.

Nach Festlegung des Sanierungsplans schreiben die beiden Sanierungspflichtigen die Sicherung der Altlasten aus. Es liegt dann an den Anbietern, geeignetes Material zu finden.

Hier kommen grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Unter anderem auch die eventuelle Möglichkeit von dem Aushub von Stuttgart 21 zu partizipieren. Dies ist aber nichts weiter als eine von vielen Möglichkeiten. Da bei Stuttgart 21 gerade die Ausschreibung für die Entsorgung des Aushubs läuft, ist nicht bekannt, ob überhaupt eine der bietenden Firmen in Erwägung zieht mit Calw und der DB Sanierung zusammenzuarbeiten und Material nach Calw zu liefern. Ob dies per LKW oder Bahn geschehen könnte steht sowieso in den Sternen. Zur Machbarkeit der Anlieferung und zu deren Kosten wurde vorsorglich ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Welche Belastungen kommen nun auf Weil der Stadt zu?

Dies kann man zur Zeit überhaupt nicht beantworten, da es noch zu viele Variablen gibt. Es ist nicht klar woher und wie der benötigte Aushub (Material, Schüttgut etc.) überhaupt nach Calw kommen soll. Stuttgart 21 – Material ist bei der momentanen Situation eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es - unserer Einschätzung nach - zu einem LKW Transport von verschiedenen (vielleicht auch von vielen verschiedenen) Orten kommen, welche dann auch teilweise durch oder an Weil der Stadt vorbei fahren werden. Dies ist zunächst jedoch eine normale Straßenbenutzung.

Dies ist aber gerade auch ein Punkt, den wir Grünen auf Bundes– Landes- und Kommunalebene immer wieder ansprechen: Neue Straßen fördern die Entstehung neuen, zusätzlichen Verkehrs. Dies wurde durch verschiedene Studien schon belegt. Auch die Verkehrszählungen sprechen ein eindeutiges Bild. In den letzten 5 Jahren nahm z.B. der Verkehr auf der B295 um ca. 5 % zu.

Vor Jahren hat man sich in Weil der Stadt dafür entschieden eine Umgehungsstraße in der Verlängerung der B 295 selber zu bauen. Die Finanzierung sicherte zu 80% das Land Baden – Württemberg. Dass diese Umgehung zu einer Entlastung der Ortsdurchfahrt von WdS geführt hat, steht außer Frage. Jedoch war hier schon im Vorfeld bekannt dass die Stadt Weil der Stadt erst mal Straßenbaulastträgerin bleiben wird und nicht der Bund. Dies deshalb, da sonst eventuell Fördermittel zurückgezahlt werden müssten. Wir Weil der Städter haben uns auch mit dem Geld der Anderen (Fördermittel) Vorteile geschaffen (Steuern werden ja von allen bezahlt: Weilderstädtern, Calwern Simmozheimern Renningern usw.). Und jetzt, wenn jemand „unsere“ Straße benutzen will, bekommt man in Weil der Stadt geradezu reflexartig territoriale Angst. Das passt irgendwie nicht zusammen. Ganz unerwähnt bei der aktuell geführten Diskussion bleibt, dass die Umgehungsstraße mit ca.13 500 Fahrzeugen pro Tag (davon ca. 850 – 900 LKW) befahren wird. Im Falle des Sanierungstransports kämen täglich maximal 50 LKWs hinzu.

Vor diesem Hintergrund warnen wir Grünen davor, überhaupt weiterhin an zusätzliche Umgehungsstraßen zu denken oder dies weiter zu planen. Gerade auch bei der aktuellen Haushaltslage. Es gibt weitaus wichtigere Projekte in Weil der Stadt. Energetische Sanierung ist hier nur ein Stichwort.

Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung: bawds(at)gmx.de

 

Bernd Aupperle

 

 

Quellen:

FAQs Zum Thema Sanierung Altlasten Tälesbach

 

F.: Ist schon etwas entschieden?

A.: Bis jetzt ist nur entschieden, dass die Altlasten standsicher gemacht werden müssen.

F.: Wer ist für die Altlasten verantwortlich?

A.: Die Stadt Calw und die DB AG Sanierungsmanagement

F.: Warum dauert die Belieferung mit Material so lange (ca. 10 Jahre)

A.: Da es eine Standsicherungsmaßnahme ist, kann das Material nicht einfach „draufgeschüttet“ werden, es muss fachmännisch eingebaut werden.

F.: Wäre es nicht ein Vorteil, wenn schon einmal Gleise in dem Bereich der Altlasten auf der alten Strecke Calw – WdS gelegt werden würden, auf denen man dann später den Personenzug fahren lassen könnte.

A.: Vermutlich nicht. Es könnte vielmehr so sein, dass eine Anlieferung von Material mit der Bahn durch die Dauer der Anlieferung über Jahre hinweg das Projekt „Reaktivierung der Strecke Calw – WdS“ gefährdet.

F.: Auf einen Eisenbahnzug passt doch mehr Material als auf LKWs. Könnte man dann bei einer Belieferung über die Bahn nicht schneller fertig werden, als mit den LKWs.

A.: Nein. Da das Material nicht aufgeschüttet, sondern eingebaut werden muss, kann pro Tag nur eine bestimmte Menge verarbeitet werden. Eine Anlieferung von mehr Material am Tag macht somit keinen Sinn.

F.: Kommt das Material von Stuttgart 21?

A.: Das ist nicht entschieden. Bisher weiß man nicht einmal ob überhaupt eine bietende Firma ein Interesse hat, den Aushub von Stuttgart 21 nach Calw zu bringen, geschweige denn, ob Sie auch den Zuschlag bekommen würde.

F.: Falls eine Anlieferung mit LKWs erfolgen würde, wie viele würden dann jeden Tag auf den Straßen unterwegs sein?

A.: Man rechnet derzeit mit ca. 50 LKW/Tag bei der „großen Lösung“ (1,2 Mio m3)

F.: Wie viele LKW sind derzeit auf der Umgehungsstraße Weil der Stadt unterwegs?

A.: Zur Zeit fahren ca. 850-900 LKW über 3,5 t zul. GG am Tag über die Umgehungsstraße

F.: Wer ist Straßenbaulastträger der Umgehungsstraße?

A.: Die Stadt Weil der Stadt

F.: Kann die Stadt Weil der Stadt die LKWs am Durchfahren auf der gemeindeeigenen Umgehungsstraße hindern.

A.: Theoretisch ja. Z.B. wenn ein Brückenbauwerk beschädigt wäre und ein LKW dieses zum Einsturz bringen könnte o.Ä. Ansonsten hat die Stadt Weil der Stadt nahezu keine Möglichkeiten, da die Straße ja nur Ihrer Bestimmung nach benutzt wird. Im Übrigen würde das Regierungspräsidium solch eine Sperrung aller Wahrscheinlichkeit nach wieder aufheben. Eine Sperrungwäre zudem unsinnig, da dann die LKWs auf der B295 durch die Innenstadt von Weil der Stadt fahren würden.

F.: Wenn das Material nicht von Stuttgart 21 kommt – wo kommt es dann her?

A.: Das Material kann von überall (Baugebiete, neue Gewerbeflächen) her angeliefert werden.

F.: Kann man den Fahrweg für anliefernde LKWs vorschreiben?

A.: Nein, das darf man nicht (VGH BW, 10 S 3348/08)

F.: Warum wird die Altlastensanierung überhaupt mit Stuttgart 21 in Verbindung gebracht?

A.: Die Sanierungspflichtigen müssen dafür Sorge tragen, dass sie genügend Material bekommen. Irgendjemand kam auf die Idee es doch von Stuttgart 21 anzubieten. Diese Information gelangte wohl vorschnell (es ist ja nur eine Idee) in die Bevölkerung und es entstand eine emotionale Diskussion darüber. Verständlich, da ja das Projekt Stuttgart 21 in der Bevölkerung nicht gerade breite Unterstützung hat.

F.: Wird die Stadt Calw auf Kosten Ihrer Nachbarn Geld verdienen?

A.: Die Stadt Calw wird froh sein, wenn sie mit "einem blauen Auge" aus dem Thema Sanierung herauskommt.



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